Die Schiffschronik

Die "LAMARA" wurde 1959 in Wewelsfleth an der Stör in Schleswig-Holstein erbaut.

Von unserem Vorbesitzer wissen wir, dass er das Schiff 1990, nach der Wende, von Laboe nach Baabe auf Rügen geholt hat. Mehr über "LAMARA’s" Vergangenheit wussten wir nicht.

Wenige Wochen nachdem wir den Betrieb im Jahr 2003 übernommen hatten, erzählte uns ein Fahrgast, dass auch er aus Wewelsfleth kommt. Er kündigte an, der Werft mitzuteilen, dass er ein Schiff entdeckt hat, dass vor fast 50 Jahren bei ihnen gebaut wurde.

Bereits am 07.07.2003 besuchte uns Herr Manfred Kleinke, Vorstandsvorsitzender der Peters Schiffbau AG. Das ist die Werft, die früher unter dem Namen Schiffswerft Hugo Peters, die "LAMARA" gebaut hat. Heute baut die Werft Peters AG Megayachten, Passagier- und Containerschiffe. Während wir um die Insel Vilm fuhren, schweifte Herr Kleinke in die Vergangenheit. Er erzählte uns, dass das Schiff, mit der Baunummer 500 der Schiffswerft Hugo Peters, 1959 für einen Kieler Reeder gebaut wurde. Konzipiert wurde das Seeschiff für Butterfahrten nach Dänemark.

Im Zuge von Restaurationsarbeiten am Bug, kamen im März 2004 auf dem blanken Eisen, Teile des ursprünglichen Schiffsnamen schwach zum Vorschein. Die früher aufgeschweißten Buchstaben waren zwar entfernt, ließen sich aber andeutungsweise erkennen. Ein längerer Name mit ?on???burg oder ?ond??borg. Ach könnte das Schiff doch reden, es hätte bestimmt viel zu erzählen.

Einen Monat später, am 20.04.2004 hatten wir einen Fahrgast an Bord, der unser Schiff sofort erkannte. Kein Wunder, denn Herr Peter Wiese aus Laboe, hatte als Monteur 13 Jahre lang mit "LAMARA’s" Hauptantrieb zu tun. Er kennt das originale und heute noch schlagende Herzstück der "LAMARA", den guten alten MAK Schiffsdiesel Baujahr 1959. Er erzählte uns, dass das Schiff früher für Butterfahrten von Flensburg nach Sønderborg in Dänemark eingesetzt war. So hieß die "LAMARA" ursprünglich: MS "Sønderborg". Somit war das Rätsel der fehlenden Buchstaben am Bug gelöst. Spontan telefonierte Herr Wiese mit einem Bekannten und erfuhr, dass das Schiff "Sønderborg" später nach Holland, an die holländische Eisenbahn verkauft wurde. Wo sie dort fuhr und ob sie danach direkt nach Laboe weiterverkauft wurde, wusste er leider nicht, aber wir kamen "LAMARA’s" Geschichte wieder ein Stück näher.

Im Sommer 2005 hatten wir unter den Fahrgästen ein Ehepaar aus Laboe. Diese kamen mit uns ins Gespräch und sagten, dass sie den früheren Besitzer, Herrn Schäfer aus Laboe gut kennen. Ich bat unsere beiden Fahrgäste, Herrn Schäfer unsere Grüße zu übermitteln, mit dem Wunsch, dass dieser mit uns Kontakt aufnehme.

Herr Schäfer war sehr erfreut von seinem ehemaligen Schiff zu hören. Er wusste, dass damals die "Sønderborg" von seinem Erstbesitzer Herrn Willi Zenner 1961 nach Holland verkauft wurde. Dort war das Schiff in Enkhuizen auf dem Ijsselmeer, unter dem Namen "Fair Lady" eingesetzt. Herr Schäfer kaufte die "Fair Lady" im Herbst 1974 und holte sie nach Laboe.

Um den Vorschriften für den zukünftigen Einsatz gerecht zu werden, musste er das Schiff mit hohem Aufwand umbauen und neu ausrüsten. Im Mai 1975 waren die Arbeiten vollendet. Bei der Namensgebung war zu beachten, dass alle Schiffsnamen der Reederei Schäfer mit "LA... anfangen. Spontan sagte Maria (die kolumbianische Frau eines Mitarbeiters): La Mara. Alle waren von dem Namen, der sich aus dem Spanischen "das Meer" ableitet, begeistert. So kam das Schiff zu seinem neuen Namen "LAMARA".

Mit Leidenschaft und Liebe pflegte Herr Schäfer seine "LAMARA" und fuhr die Passagiere 15 Jahre lang durch die Kieler Förde. Im Jahr 1990 wurde das Schiff nach Rügen verkauft und im Greifswalder Bodden eingesetzt.

Seit 2003 haben wir den Betrieb "LAMARA" übernommen. Mit viel Idealismus und Ausdauer versuchen wir, hauptsächlich in Eigenarbeit, unserem Schiff wieder ein würdiges Aussehen zu verleihen. Bis es seine früheren Glanztage wieder erreicht, werden noch einige Jahre vergehen.

Stapellauf

Nun endlich haben wir auch den Tag des Stapellaufs unserer MS "LAMARA" herausfinden können. Von unseren Vorbesitzern hatte keiner eine Ahnung, wann das Schiff im Jahr 1959 von Stapel lief. Die Werft, bei der die "LAMARA" ex. "SØNDERBORG" gebaut wurde, hat aus dieser Zeit keine Unterlagen mehr. Der Auftraggeber, der die "SØNDERBORG" erbauen ließ lebt nicht mehr. All diese Fehlschläge konnten mich jedoch nicht davon abhalten, weiter zu recherchieren. Ich wollte unbedingt den Geburtstag unserer ehrwürdigen alten Dame heraus-bekommen. Schließlich und durch ständiges nachbohren half Bruder Zufall zum Ziel.

Herr Karting ist Elblotse. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fakten über alte Segelboote zu sammeln und die gesammelten Werke als Bücher herauszubringen. Natürlich ist die "LAMARA" ex. "SØNDERBORG" kein Segelboot und auch nie eins gewesen. Doch die vielen alten Zeitungen die bei Herrn Karting ein ewiges zu Hause gefunden haben, berichten auch über andere Vorkommnisse aus den alten Zeiten. Der Sammlerleidenschaft und großen Hilfsbereitschaft von Herrn Karting haben wir es zu verdanken, dass wir den Stapellauf der "SØNDERBORG" endlich auf den Tag genau wissen. Herr Karting konnte uns sogar ein Bild vom Stapellauf zusenden.

Am 14. Juli 1959 hatte unsere "Alte Dame" zum ersten Mal Wasser unter ihrem Kiel. Wir haben uns vorgenommen, ihren 50. Geburtstag gebührend zu feiern. Auf dem Bild unten sieht man das Schiff nach dem Stapellauf, noch ohne Aufbauten.

Stapellauf

12. März 2006