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OZ: Wahrzeichen des Bollwerks feiert Jubiläum

Baabe - 50 Jahre ist es her. Damals wurde der Schiffsdiesel MAK MV 36 nach der Kiellegung der MS "Sonderborg" auf der Werft Hugo Peters in Wewelsfleth an der Stör eingebaut. "Er ist das Herz unseres Schiffes", sagt Bootsfrau Anja Lawatsch. Es war das Jahr 1959 und die BRD ging aufs Wirtschaftswunder zu. Bei einer Leistung von 500 Umdrehungen pro Minute bringt der "Langhuber", also ein Motor mit langem Hubraum, 160 Pferdestärken auf die Schraube. Dass die 29,33 Meter lange und 5,86 Meter breite alte Dame für die Hochsee als Butterschiff gebaut wurde, erzählt beim Losmachen am Baaber Bollwerk Lissi Störmer. "Wenn das mein Mann sehen könnte, wie die Lamara wieder unter Farbe steht", sagt sie gerührt und lässt anklingen, dass sie schon früher das Schiff in ganz anderem Zustand beim Voreigner gesehen hat. Von Laboe aus ist die rüstige Unruheständlerin angereist, hat ihren geliebten niederdeutschen Abend sausen lassen. Aktivitäten, die ihr, wie sie meint, keine Zeit zum Altern lassen.

1961 führte der Weg das Schiff als "Fair Lady" in die Niederlande, dann 1974 nach Kiel, wo sie in der Kieler Förde als "Lamara" unter Kapitän Störmer lief. 1990 kam die schon betagte schwimmende Dame nach Baabe. Sehr zur Freude von Dieter Mathis. "Wegen unseres Bollwerkes sind wir damals nicht auf den Zug mit den Seebrücken aufgesprungen. Wir wünschten uns wieder Schifffahrt. Am liebsten bis in den Selliner See wie vor den sechziger Jahren." Dies und anderes kam zur Sprache, als die aktuellen und wohl letzten Lamara-Eigentümer, Anja Lawatsch und Heinrich Olbert, den runden 50. Geburtstag in dieser Woche gefeiert haben. Mit dabei auch Dirk Vetters, der Hausbanker der "Lamara". Er empfindet es als etwas Besonderes, so ein altes Schiff zu finanzieren. "Ich freue mich auch trotz aller Widrigkeiten bei der Entwicklung des Standortes Bollwerk", macht Vetters deutlich.

Mehrfach läuft die "Lamara" zur Saison täglich rund um die Naturschutzinsel Vilm. Gesteuert von Kapitän Heinrich Olbert, der dieses Jahr ebenfalls mit 60 genullt hat. Wie es sei, quasi wie ein Busfahrer, jeden Tag rund Vilm zu fahren? Olbert lacht. "Das ist nicht zu vergleichen. Wetter, Wolken, Seegang und nicht zuletzt die Gäste sind immer wieder neu. Und manchmal spreche ich meine Fahrgäste auch an, komme mit ihnen ins Gespräch." So geht‘s denen auch untereinander, ist zwischen Bürgermeister Mathis und Wolfgang Husmann zu erleben. Sie erzählen von alten Zeiten, auch jenen, als das Vilm-Boot geklaut wurde. Husmann, Baaber und Schiffbauingenieur, sagt, er fahre immer wieder die Rundtour, obwohl er hier zu Hause ist und den Vilm kennt. Als Junge hat er den als Zielscheibe erlebt und auch, wie die Munitionsschiffe beim Abtransport explodierten. Und dann stellt sich raus, dass Husmann aus früherer Tätigkeit in Kiel die ehemalige Eignerin der "Lamara" kennt.

Autor: ANDREAS KÜSTERMANN www.ostseh.de
Quelle: OZ/LOKAL/RUE

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